Tipps zur Lackierung von Holzbooten
Vorbereitung der Holzoberfläche:
Ich möchte an dieser Stelle in Einzelschritten erklären, wie sie mit einfachen Mitteln nur mit etwas Geduld zu einer sehr ansprechenden Lackierung ihres Modellboots kommen können.
Hierzu ist es unbedingt notwendig, dass sie den Rohbau ihres Boots gründlich schleifen. Verwenden Sie hierzu allerdings kein feineres Schleifpapier als Korn 240. Feinere Körnungen machen nur unnötig Arbeit und verringern die Aufnahme des Harzes.
Untergrund:
Und damit sind wir bereits beim Thema Material: Für den Untergrund ist hat sich ACRÜPOX 78 Epoxid Harz (€ 18,70 / KG) und ACRÜMID 480 Epoxid Härter (€ 15,30 / 600 g) bewährt. Bezugsquelle: A.C.C. Rüegg GmbH & Co, www.ruegg.de
Diese Menge reicht ca. für zwei Boote!
Ist nahezu geruchlos zu verarbeiten und kristallklar.
Zusätzlich benötigen sie noch ca. 100 ml Azeton. (Gibt es in jeder Apotheke)
Vorteil der Vorbehandlung des Rohbaus durch Epoxidharz:
Epoxidharz sinkt auch nach Jahren nicht in die Holzporen ein und bietet somit einen idealen Untergrund zur späteren Endlackierung. Diese Lackierung wird auch nach Jahren nichts von der makellosen Oberfläche einbüßen.
Auftragen des Epoxidharzes:
Hierzu sollten sie sich am besten einen ganzen Tag Zeit nehmen.
Der Rumpf sollte soweit als möglich staubfrei sein. Legen sie sich nun folgende Materialien bereit:
- Kleine Plastikbecher zum Anmischen des Harzes. (ca. 10-15 Stück)
- Briefwaage um das Mischungsverhältnis zu treffen.
- Pinsel zum auftragen des Harzes (ca. 5 Stück, hier nicht sparen)
Für ein Boot mit ca. 100 cm Länge mischen sie am besten je Harzschicht ca. 40g Harz mit 24g Härter und 3g Azeton an. Je dünner sie die Harzschicht auftragen, desto geringer ist das Risiko der Nasenbildung. Übrigens sorgt die Verdünnung mit Azeton für ein tieferes Eindringen des Harzes in das Holz, was zu einem zusätzlichen Verkleben der Holzleisten und somit zu einer späteren erhöhten Festigkeit führt. Führen sie diesen Arbeitsschritt in einem gut durchlüfteten Raum bei ca. 20 Grad durch. vermeiden sie Sonneneinstahlung, sonst kann es zu Blasenbildung kommen.
Nun lassen sie diesen ersten Anstrich für ca. eine Stunde trocknen.
Immer mit ca. einer Stunde Pause tragen sie dann Schicht für Schicht Harz auf. Mögliche entstandene „Läufer“ und „Nasen“ streichen sie zwischendurch vorsichtig mit dem Pinsel glatt. Wichtig ist das Antrocknen des Harzes zwischen den Arbeitsschritten. Übrigens sorgt das Azeton für etwas Abkühlung des Harzes was zusätzlich dafür sorgt, dass weniger „Nasen“ auftreten. Und wenn sie mal zwischen einem Arbeitsschritt etwas zu lange gewartet haben, greift das Azeton- Harzgemisch den Untergrund an, und sorgt so für eine gute Verbindung.
Bitte verwenden sie für das Anmischen des Epoxidharzes je Schicht einen neuen Becher. Den Pinsel können sie für mehrere Schichten verwenden, sofern sie ihn in den Pausen mit Verdünner gereinigt haben.
Tragen sie zwischen 5-10 Epoxidschichten auf. In jedem Fall sollten nur noch geringe Unebenheiten auf ihrem Rumpf zu sehen sein. Je perfekter der Rohbau gebaut wurde, desto weniger Schichten sind notwendig. Aber lieber eine zu viel als eine zu wenig.
Nun lassen sie ihrem Boot ca. 1 bis 2 Wochen Zeit zum vollständigen Trocknen.
Jetzt erfolgt der erste Nassschliff. Verwenden sie hierzu Schleifpapier mit Korn 320.
Nehmen sie sich hierfür ausreichend Zeit. Vermeiden sie nach Möglichkeit das „Durchschleifen“ bis aufs Holz!
Nun tragen sie bitte weitere Schichten Epoxidharz (3 bis 5) wie oben beschrieben auf und lassen diese wieder 1 bis 2 Wochen trocknen.
Schleifen sie mit Korn 320 die Oberfläche wieder an und wiederholen das Prozedere so lange, bis sie eine makellose Fläche erhalten.
Wichtig, es darf hier und auch nach dem nun folgenden Nassschliff kein Holz durch das Harz ragen!
Schleifen sie ihr Boot nun nochmals nass aber mit Korn 800 bis 1200.
Wenn ihr Boot nun seidenmatt schimmert, und nur noch minimale Fehlerchen zu sehen sind, ist der Weg zur perfekten Lackierung nicht mehr weit.
Wasserlinie:
Ihr Boot ist nun weitestgehend gegen Wasser geschützt, und sofern sie eine perfekte Wasserlinie an ihrem Boot wünschen, ist nun ein guter Zeitpunkt, ihr Boot mit allen gewünschten technischen Komponenten zu bestücken, und es in der Badewanne einem ersten Schwimmtest zu unterziehen. Bitte achten sie hier auf die richtige Positionierung der Technik.
Vorsichtig können sie nun den Wasserpass markieren.
Lackierung:
Reinigen sie nun ihren Rumpf mit Silikonentferner, kleben sie das Oberwasserschiff sorgfältig an der Wasserlinie ab, und beginnen das Unterwasserschiff mit 2K-Basis Lack im gewünschten Farbton vorzulackieren. Ich gehe davon aus, dass der Unterwasserbereich fertig Grundiert und geschliffen ist.
Warum Basislack? Der Rumpf soll anschließend mit 2K-Klarlack lackiert werden, bei Basislack entfällt ein Anschliff. Die Wasserlinie können sie ebenfalls lackieren oder aber mit einem speziellen Zierband aufkleben. Das lackieren ist zwar etwas mehr Aufwand und erfordert ein gewisses Maß an Geschick, aber es sieht deutlich besser als die geklebte Zierleiste aus.
Jetzt kommen wir zur Lackierung mit Klarlack. Der Lack wird nach Herstellerangaben angemischt und in dünnen schichten aufgebracht das ganze OHNE Läufer. Ich verwende 2 Komponenten Klarlack von STANDOX (Standocryl 2K-Kristall-Klarlack).
Die Temperatur sollte nicht höher als 25 Grad sein sonst gibt es Kocherbläschen.
Zwischen den einzelnen Schichten sollten sie eine Wartezeit von 30Minuten eingehalten. So tragen sie nun nach und nach 10 Schichten Klarlack auf. Diese Schichtdicke reicht fürs erste. Lassen sie dies nun gut 3 bis 4Wochen trocknen. Jetzt geht es wieder ans schleifen diesmal Nassschleifpapier mit Korn 1200 und etwas Spüli im Wasser. Wir köpfen jetzt nur die Nabe der Lackierung. Anschließend wird der ganze Rumpf mit einem Pattkissen geschliffen.
Nun haben sie es fast geschafft!
Entfetten sie den Rumpf nun erneut und beginnen mit der Endlackierung mit Klarlack wieder ca. 5-7 Schichten wie oben beschrieben.
Nach einer Wartezeit von 6 bis 8Wochen wird das ganze mit Korn 2000 nass geschliffen und anschließend auf Hochglanz poliert. Als Politur eignet sich hervorragend Produkte der Firma 3M perfect-it (gibt’s unter anderem bei Ebay). Manch einer wird fragen warum das ganze, ganz einfach, wenn sie schon Monate in den Bau eines solchen Boots stecke muss auch die Lackierung einwandfrei sein und nicht nach ein paar Wochen aussehen wie eine alte Tischplatte, die im Regen gestanden hat.
VIEL ERFOLG!
Auszüge dieser Beschreibung beruhen auf Aussagen von Horst Fick