Thunderbolt Racer "CHICKIE IV"

Modell eines Thunderbolt Raceboat von 1939 USA                                                               

Stapellauf dieses Modells: Juni 2008

 

Nach dem Bauplan von Rüdiger Götz entstand dieses Modell der "Chickie IV" im Maßstab 1:5

 

Maße: Länge 97,5 cm, Breite 40 cm, Verdrängung ca. 4,7 Kg. Das Boot ist gebaut auf Spanten, der Rumpf ist beplankt mit Merbau Holz, das Deck besteht aus Wenge Holz mit weißen Poly-Strips. 

 

Motor: Plettenberg HP 355 BM 45/4 mit 30 Zellen / 10 LiFePo Zellen. Propeller Charlier Typ 6A 52 mm Durchmesser, Steigung 66 mm

 

Fahrleistung: Gemessen mit GPS am 18.08.2013 Bodensee: 54,2 Km/H siehe Video. ganz ohnen Wellen ist sicher noch etwas mehr möglich...

Baubeschreibung:

 

Stand 2008

Wie ja bereits mehrfach beschrieben gilt meine besondere Leidenschaft den so genannten Gentlemanracern aus den 30er und 40er Jahren vornehmlich aus den USA.  

Per Zufall stieß ich vor Jahren auf den Bauplan dieses Modells, das mir sofort gefiel.

Mir kam die Idee, beim Baumaterial auf andere Holzarten zurück zu greifen. Es sollten Leisten aus Merbau und Wenge für dieses Modell Verwendung finden. Spontan gefiel mir die Farbe des Merbau Holzes. Es unterscheidet sich zum üblichen Mahagoni Holz durch einen deutlich stärker ins Orange gehende Farbton sowie einer sehr interessante Maserung. Auch beim Deck wich ich vom ursprünglich geplanten Teak Holz ab und verwendete stattdessen Wenge. Die schwarz braune Optik und den starken Kontrast zu den hellen Leisten des Stabdecks gefiel mir sehr. Um diesen Kontrast noch zu verstärken verwendete ich bei meinem Modell statt Ahorn- weiße Kunstoffleisten aus dem Architekturmodellbau.

Ich startete den Bau meiner Chickie IV mit dem Aufrichten das Spantgerüsts. Hier ist auf große Präzision zu achten, denn die Flucht muss exakt stimmen. Wichtig, das Gerüst muss trotz exaktem Sägen der Spanten vor der Beplankung  unbedingt so geschliffen werden, dass keinerlei Unebenheiten mehr zu erkennen sind. Im Anschluss habe ich das Spantgerüst mit Stingerleisten und anschließend mit 2 mm starkem Balsaholz unterbeplankt. Erneut schliff ich letzte Unebenheiten ab und begann nun den Rumpf mit 10 mm breiten Merbau Leisten in 2 mm Stärke zu beplanken. Als Kleber verwende ich bei meinen Booten Sekundenkleber von Pattex (Blitz Kleber Gel). Die einzelne Planken wurden zusätzlich mit 1,2 mm Messingstiften (von OBI) auf den Spanten fixiert. Die Löcher für die Messingstifte habe ich mit 0,9 mm vorgebohrt. Wichtig ist, die Stifte maximal zu 2/3 einzuschlagen, denn wenn sie die Stifte komplett versenken, besteht die Gefahr, dass beim späteren Abschleifen "Reste" der Köpfe stehen bleiben.

 

Nach dem Rumpf folgte nun die Decksbeplankung. Hier begann ich mit einer Königsplanke die ich mittig auf das Deck klebte. Anschließend folgten abwechselnd Poly- und Wengeleisten (8 x 2 mm). Auch das Deck wurde nun mit einer Vielzahl Messingstiften versehen. Diese dienen jedoch hauptsächlich nur der Optik.

Nun wurde das gesamte Boot sehr ausgiebig geschliffen. Da Modellboote möglichst leicht sein sollten, wurde bei diesem Boot ca. 0,5 mm der 2 mm Beplankung wieder abgeschliffen, um Gewicht zu sparen. Die Stabilität ist hierdurch nicht beeinträchtigt.

Zwar erscheint nach Fertigstellung des Rumpfs der Eindruck, dass nun die meiste Arbeit geschafft sei, doch die Lackierung des Boots ist mindestens genau so aufwändiger wie der eigentliche Bau des Boots. Details zum Lackieren und die Untergrundvorbereitung mit Epoxid finde sie in der Rubrik "Bautipps".

Laut Bauplan sind bei der Chickie IV zwei Finnen vorgesehen, um eine stabile Wasserlage zu gewährleisten. Diese Finnen haben nur die Eigenschaft, dass sich das Boot in der Kurve nicht ins Kurveninnere legt, sondern eher aufrecht um die Kurve fährt. Da ich dieses Fahrverhalten nicht sonderlich ansehnlich finde, habe ich bereits im Rohbau einige Veränderungen des Unterwasserschiffs vorgenommen, um auf die Finnen verzichten zu können. Diverse Kimmleisten aus PVC wurden sowohl am Übergang Bordwand zu Unterwasserschiff, sowie an der Rumpfunterseite angebracht, um das Wasser unter dem Boot zu halten und für zusätzlich Fahrstabilität zu sorgen. Ich hoffe, so die Bauart bedingten Schwächen des Modells hinsichtlich der Laufeigenschaften beseitigt zu haben. Mancherorts wird die Anbringung von Kimmleisten als "Geheimtipp" angepiesen und aufgrund von aufwändigen Berechnungen wird die Plazierung berechnet. In meinen Augen ist dies eine vollkommen überzogene Darstellung. Nahezu in jeder Position angebracht führen Kimmleisten zu einer stabileren Wasserlage und zusätzlich läuft das Boot "trockener".

Die Rumpfform dieses Modells bezeichnet man als Runabout. Dies bedeutet, die Rumpfunterseite ist eher platt und hat keine ausgeprägte V-Form, die sich mitte der 60er Jahre bis heute durchgesetzt hat. Diese V-Form sorgt für eine wesentlich bessere Laufeigenschaft.

Zu eingebauten Technik: Als Motor kommt ein Elektromotor der Firma Plettenberg Typ: 355BM / 45 / 4 zum Einsatz.

Entgegen der laut Bauplan vorgesehenen Flexwelle entschied ich mich auch in Rücksprache mit Herrn Gundert (Gundert Modellbau) für eine starre Welle. Auch beim Wellendurchstich und bei der Platzierung der Schiffsschraube wich ich vom Bauplan ab. So sitzt meine Schiffsschraube ca. 20 cm vor dem Bootsheck. Auch das Ruder wurde umplatziert und liegt nun 10 cm vor dem Bootsheck. Sinn dieser Veränderung ist mehr Heckauftrieb.

Als Fahrregler habe ich einen Regler der Firma Modellbau-Regler Typ AS 36-150 verbaut. Dieser Regler verkraftet über 150 A bei 36 Zellen und wird mir dem Motor der wohlgemerkt mit 28 Volt ca. 1,6 KW abgibt, spielend fertig. Die Schiffsschraube ich von Chalier und hat einen Durchmesser von 55 mm und eine Steigung von 66 mm.

Diese Motorisierung sorgt für einen ausgesprochen zügigen Vortrieb ;-)

 

Historie der Chickie IV:

 

Der Ursprung des Thunderbolt Racers "Chickie IV" geht auf das Jahr 1930 zurück. John L. Hacker entwickelte damals zusammen mit George Eddy bei Century Boats neue Bootskonzepte. Century stellte damals sehr erfolgreich Outboard Hydro Racer her , die auf Grund ihrer speziellen Bauart und im Design in verschiedenen Wettbewerbsklassen fast alle Rekordhalter waren. Auch der Geschwindigkeitsrekord von 50 Meilen in der Stunde wurde von einem Century Hydroplane zum ersten mal erreicht.

1930 startete Century Boats mit der ''Sea Maid'' Baueihe und einem 14 Fuß ''Thunderbolt'' Hydro Racer in den Markt. Revolutionär war der gestufte Rumpf des Racers der bald nur noch ''Luftkissen'' genannt wurde. Gedacht war der Racer für die neue 125 cu.in. 2 Liter Rennklasse. Das Boot entwickelte eine Geschwindigkeit von 42 Meilen mit einem 40 PS 99 cu.in. Standard ''Blue Jacket'' Rennmotor. Der ''Thunderbolt'' dominierte diese Rennklasse auf breiter Front und errang reihenweise Trophäen. Diese Rennklasse konnte sich jedoch nicht lange halten und so wurde der Racer zum 2 Personen Speedster weiterentwickelt.

1938 wurde der überarbeitete ''Thunderbolt Speedster'' zum ersten mal vorgestellt. Das neue Design führte zu einer Verlängerung des Bootes auf 15 1/2 Fuß unter Beibehaltung des gestuften aber fast glatten Rumpfes. Das Ruder verschwand vom Heck und wurde unter dem Boot angebracht. Angeboten wurde das Boot mit einem 140 PS ''Gray Marine Fireball'' Rennmotor der das Schiff auf eine Geschwindigkeit von 50 Meilen bringen konnte. Das neue Design brachte auch weitere Beschlag und Anbauteile mit sich wie zum Beispiel eine Windschutzscheibe und Positionslampen.

Die "Chickie IV" ist ein maßstäblicher Nachbau einer 1939 ''Thunderbolt'' die Bill Munro gehört. Der Schiffshistoriker Bill Munro ist ein Liebhaber von antiken Speedbooten und hat für das Legend Boat Modell der Chickie IV alle erforderlichen Daten , Maße und Fakten zur Verfügung gestellt. Den Bauplan zu diesem Modell, gezeichnet von Rüdiger Götz enthält alle nötigen Details und Angaben zum Bau dieses Modells und ist beim GeraMond-Verlag zum Preis von 29,99 € zu beziehen. 

 

 

Fahrbericht:

 

Je länger man(n) sich mit dem Hobby beschäftigt, desto höher werden eben auch die Ansprüche an das Fahrverhalten der Modelle.

Dies trifft natürlich auch für die "Chickie IV" zu. Nach einer sehr langen Bauzeit war es am 29.06.2008 dann soweit. Da ich während dem Bau von allerlei Seiten nicht viel Gutes über die Fahreigenschaften der Chickie IV gehört hatte, kamen bei meinem Modell allerlei Änderungen zum Einsatz, über die ich ja bereits in der Modellbeschreibung berichtet habe.

Nun war ich doch sehr gespannt, ob Heiner Gundert mit seinen Tipps richtig lag. Um eine ideale Trimmung des Modells zu haben, wurden die Akkus im Heck des Boots platziert. Sonst liegt der Bug zu tief im Wasser. Durch das breite Heck kann das Modell dies problemlos verkraften.

Bei der Erstwasserung kam auch ein Motor von Plettenberg Typ: HP 355 BM 45 / 4 mit 30 Zellen oder eben entsprechend 10 Li-Fe-Po 4 Zellen zum Einsatz. Dieser Motor war zwar eigentlich nur als Notlösung gedacht, erwies sich aber bein Stapellauf als durchaus reizvoller Antrieb.

 

Aber nun zum Fahrbericht, auf vorsichtiges Gas geben setzte sich die "Chickie IV" ebenfalls gemächlich in Bewegung. Ein kleiner Gasschub mehr, und das Boot kam sofort in die Gleitfahrt und gab ein wirklich schönes Fahrbild ab. Auch die Kurvenlage war genau wie geplant und gewünscht, da ich ja auf jegliche Finnen verzichtet habe. Das Boot neigt sich leicht ins Kurveninnere und läuft auch geradeaus makellos.

Ein schöner Effekt der Kimmleisten am Übergang zwischen Bordwand und Unterwasserschiff ist die scharfe Abrisskante, die eine absolut trockene Bordwand zur Folge hat. Ich glaube ich bin auf dieses Thema von Hanjo Zingsheim und Heiner Gundert stark sensibilisiert worden. Ich sage nur "Rasensprenger";-)

Nun ein bisschen mehr Gas, und die Chickie beschleunigt weiter.... Auch hier ist die Wasserlage in meinen Augen schick. Kein Wippen sondern eine saubere und satte Wasserlage auf der Stufe des Rumpfs. Selbst bei Vollgas sind Kurvenfahrten mit größerem Radius problemlos möglich.

Einziger kleiner Wermutstropfen des Stapellaufs, nach ca. 15 Minuten Fahrzeit und absoluter Begeisterung über das Modell wurde ich etwas übermütig. Vorbeifahrende Ausflugsschiffe und Jachten auf dem Bodensee machten so schöne Wellen über die sich vortrefflich in spitzem Winkel schanzen ließ...

Eingefundene Zuschauer fand das auch recht lustig. Also ließ ich meine Chickie diese kleinen Fugphasen ein ums andere mal vollführen, zumal sie die Landephase ebenfalls völlig souverän absolvierte. Nur drehte der Motor in der Luft doch recht hoch (der Klang war aber super). Nach der geschätzt zehnten Runde über die Wellen blieb dann meine Chickie beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche abrupt stehen als hätte sie unterwegs einen Anker geworfen.

- nichts ging mehr -

So kam ich dann im glücklicherweise schon 19 Grad warmen Bodensee zu meiner Schwimmeinlage, um die Chickie zurück zu holen. - peinlich -

Am Ufer angekommen war ich dann doch recht gespannt, welches Bauteil sich denn nun verabschiedet hatte. Zu meiner großen Freude war es das denkbar beste Bauteil, nämlich nur die Powergrip Kupplung. Das elastische Zwischenstück hatte sich vollständig aufgelöst und war nur noch in winzigen Einzelteilen im gesamten Boot wieder zu finden. 

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