Neoklassischer Gentlemanracer

Modell der Speedster K-500 von 2014, Deutschland

 

 

 

 

Stapellauf dieses Modells: Juni 2015

 

In Anlehnung an die "Speedster K-500" der Kaiser Bootsmanufaktur von 2014, Deutschland entstand dieses Modell im Maßstab 1:4

 

Maße: 

Rumpflänge 127 cm, Breite 50 cm, Verdrängung Fahrfertig incl. Akkus (folgt) Kg. Das Boot ist gebaut auf Spanten, der Rumpf ist beplankt mit Mahagoni. Das Deck besteht aus Teak Holz schwarz eingefärbtem Epoxid. Das geölten Holz auf dem Cockpit Boden ist Jatoba Holz mit ebenfalls schwarz eingefärbtem Epoxid.

 

Antrieb & Technik: 

Die "K-500" wird über einen Jetantrieb der Firma MHZ Jet 52 betrieben. Der Durchmesser des Jets ist 52 mm. Als Motor kommt ein bürstenloser Plettenberg KIMA 50/3 BM mit 560 U/Min/Volt zum Einsatz. Die Drehzahlsteuerung übernimmt in der K-500 eine Regler von Schulze Elektronik Future XL 40.161 WK. Mit 10-12 Lipo Akkus erreicht das Modell eine ungefähre Drehzahl von 20.000 bis 25.000 Umdrehungen sowie eine Ausgangsleistung von 8 bis 10 PS.

Die "K-500" wird über die neue Hitec LYNX 4S Telemetrie Fernsteuerung mit einem PROTON 4 Empfänger gesteuert. Folgende Telemetriedaten sind am Sender jederzeit ablesbar: GPS Speed in Km/H mit Max-Speed, Motortemperatur, Motordrehzahl und Strommessung in Ampere. Eine weitere Besonderheit dieses Modells ist das Trimmen während der Fahrt. Die Jetdüse lässt sich zur Steuerung wie bei jedem Jetantrieb horizontal bewegen . Zusätzlich kann während der Fahrt über einen weiteren Steuerkanal der Jetantrieb aber auch vertikal verstellt werden. Dies ist sinnvoll, um das Boot optimal zu trimmen.

 

Fahrleistung: Mit GPS gemessen V-Max 62 Km/H

 

Baubericht:

 

Ein moderner Gentlemanracer!

Nach dem Motto „Das Beste ist gerade gut genug“ fertigt die Kaiser Bootsmanufaktur maßgeschneiderte High-End-Runabouts in Holz-Epoxyd-Composite-Bauweise. Seit 2009 werden bei Kaiser in Straßkirchen bis zu fünf Einzelstücke pro Jahr gefertigt. Neben schnittigem und zeitlosem Design spielt vor allem die hervorragende und sportliche Fahrleistung, in Verbindung mit moderner und effizienter Antriebstechnologie bei den Retro-Klassikern aus Niederbayern die Hauptrolle.

Die K-500 Speedster aus Mahagoni ist eine kompromisslose Fahrmaschine mit einer  Länge von 5,00 m und einer Breite von 1,95 m. Für ausreichend Vortrieb sorgt ein Rotax 4tec Motor mit bis zu 260 PS und Jetantrieb. Aufgrund des geringen Gewichts von nur 490 kg und dem ausgeklügelten Unterwasserschiff ergeben sich herausragende Fahrleistungen mit brachialer Beschleunigung, Kurven wie auf Schienen ohne einzuhaken sowie weiches Einsetzen in Wellen. Die Wendigkeit und das Handling ist laut Hersteller mit einem großen Jetski zu vergleichen.

 

Einleitung/Planung:

 

Wie jeder leidenschaftliche Modellbauer bin ich natürlich auch stets auf der Suche nach neuen Projekten, die sich als Modell realisieren lassen.

Im Januar 2014 schlenderte ich wie jedes Jahr über die Messe BOOT in Düsseldorf, immer auf der Suche nach Inspiration und einem neuen Bauprojekt. Auf meiner Runde kam ich dann eben auch am Messestand der Kaiser Bootsmanufaktur vorbei und war sofort wie elektrisiert. Die K-500 mit ihrer traumhaften Linienführung und dem elegant auslaufenden Heck zog mich wie magisch an, und ich konnte meine Augen nicht mehr von dem Boot abwenden. Die Bootsform paart für mich Eleganz mit Dynamik und Kraft. Auf dem Messestand wurde in Endlosschleife ein Video der K-500 auf einem Nebenarm der Donau gezeigt. Bei Dämmerlicht und mit illuminiertem Wasserantriebsstrahl des Jets  glitt dieses Traumboot mit 115 km/h über die Wasseroberfläche. Vermutlich stand ich vor dem Monitor eine ganze Weile bewegungslos und staunte nur. Nachdem ich mich wieder etwas gesammelt hatte, machte ich noch schnell einige Fotos aus allen möglichen Perspektiven, und dann setzte ich meine Messerunde fort. Aber die Kaiser Speedster K-500 ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich überlegte hin und her, wie ich den Bau realisieren könnte, denn der Versuch, über die Werft an den Konstruktionsplan zu gelangen, führte zu keinem Ergebnis. Gedanklich steckte ich zu diesem Zeitpunkt in einer Sackgasse, denn ich sah einfach keine Möglichkeit, den Bau meiner Kaiser Speedster K-500 umzusetzen. Kurz darauf lernte ich dann Rainer Kuhlmann kennen, der in seiner Firma Modellbautechnik Kuhlmann für den anspruchsvollen Holzmodellbootbauer ein gewaltiges Sortiment feinster Spantensätze bereithält. Beim Plaudern über seine herrlichen Frässätze von Booten wie der Chris-Craft Barrelback, die Crackerbox nach Glen-L, Riva Aquarama und Ariston sowie tolle Segelboote griff ich dann eher beiläufig das Thema Kaiser Speedster K-500 auf, und Rainer knüpfte für mich kurzerhand den Kontakt zu einem befreundeten Konstrukteur, mit dem er eng zusammenarbeitet. Ich rief ihn sogleich an und berichtete von meinem Vorhaben. Ich mailte ihm mein Bildmaterial und Maße der K-500 zu, und bereits nach wenigen Tagen erhielt ich ein erstes Konstruktionsbild seiner Interpretation der Kaiser K-500. In unzähligen Mails wurden dann immer weiter kleine Korrekturen und Änderungen eingefügt, bis wir uns schließlich einig waren, dass die Konstruktion dem Vorbild doch recht nah kam. Meine Speedster rückte nun in greifbare Nähe, denn die Zeichendatei wurde zurück an Rainer Kuhlmann übermittelt, und dieser wandelte sie in eine Fräsdatei um. Im April 2014 auf der Messe INTERMODELLBAU in Dortmund konnte ich am Stand von Rainer Kuhlmann dann meinen perfekt gefrästen Spantensatz der Kaiser K-500 in den Händen halten. Im Vorfeld hatte ich mich für den Maßstab 1:4 entschieden. Hieraus ergab sich eine Modellgröße von 125 cm Länge und 50 cm Breite.

Dass nicht nur mir die Kaiser K-500 Speedster ins Auge gefallen war, bemerkte noch am Abend nach meiner Rückkehr aus Dortmund. Im Briefkasten lag die abonnierte Ausgabe 05/2014 der MODELL WERFT. Ich blätterte sogleich die Zeitschrift durch und staunte nicht schlecht. Als Highlight der BOOT in Düsseldorf wurde meine K-500 ausführlich auf einer Doppelseite vorgestellt. Im Artikel wurden vom Autor sogar ein paar Vorschläge angeführt, in welchem Maßstab und auf welcher Rumpfbasis sich die Kaiser K-500 für den Nachbau eignen würde.

 

Rohbau:

 

Vom Artikel über meine Kaiser K-500 zusätzlich motiviert, startete ich am darauffolgenden Wochenende in meiner Miniwerft mit Feuereifer mein neues Bauprojekt. Dafür räumte ich die aktuell im Bau befindlichen Rohbauten auf meiner Werkbank kurzerhand beiseite. Vermutlich kann mir an dieser Stelle der eine oder andere Modellbauer nachfühlen. Der Aufbau der Spanten verlief reibungslos, und bereits nach kurzer Zeit stand das aufgerichtete Spantengerüst vor mir. Ganz schön stattlich dachte ich so bei mir, denn die K-500 ist bis dato mein größtes Schiffsmodell. Da ich meine Modelle ausschließlich mit Sekundenkleber baue, ging auch die Anbringung der Unterbeplankung aus toll zu verarbeitenden Caiba Holz recht fix. Schon nach dem Wochenende in der Werkstatt war der Rohbau abgeschlossen. Die nun folgende Beplankung mit Mahagoni hat dann etwas mehr Zeit in Anspruch genommen.

Ich verwendete Holzleisten der Stärke 2 mm und einer Breite von 20 mm. Damit die Holzmaserung der Leisten parallel zur geplanten Wasserlinie verläuft, richtete ich die erste Planke mittig aus und klebte die darauffolgenden Leisten auf Stoß nach und nach an. Entgegen dem Vorbild wollte ich bei meinem Boot das Unterwasserschiff ebenfalls mit Mahagoni überziehen. Hierdurch konnte ich im Modell die ausdrucksvolle Kante, die im Bugbereich aus der Seitenbeplankung des Rumpfs erwächst und sich dann als Abrisskante fortführt besonders auffällig herausarbeiten. Ferner verleiht das Mahagoni-Unterwasserschiff dem Retro Klassiker eine leichten Vintage-Charakter. Dieser war von mir so beabsichtigt, denn ich gebe meinen Modellen immer gerne eine gewisse Eigenständigkeit. Nachdem die Rumpfunterseite und die Seitenwände mit Mahagoni beplankt waren, löste ich die Speedster von der Heling und begann mit der Beplankung des Decks. Hierfür wählte ich Nussbaumholz. Das Stabdeck verlegte ich mit kleinen Platzhaltern, die ich sofort nach Verfestigung des Klebers wieder entfernte. Als auch dieser Arbeitsschritt abgeschlossen war, bestrich ich meine K-500 von innen und außen mit Eposeal 300. Ein 2-Komponenten-Eopxid mit der Konsistenz von Wasser, dass extrem schnell und sehr tief ins Holz eindringt und dort aushärtet. Das Holz wird so quasi plastiniert und bietet so eine perfekte Basis für die nachfolgenden Schritte des Lackaufbau der sich so auch nach vielen Jahren nicht mehr verändert. Für Interessenten an diesem wirklich tollen Werkstoff kann ich Rainer Kuhlmann als Bezugsquelle nennen. Auch das frei liegende Stabdeck strich ich mit Eposeal mehrschichtig ein, um die Saugfähigkeit der Nussbaumleisten zu verringern. Dies war wichtig, denn die Zwischenräume des Stabdecks goss ich im Anschluss mit schwarz eingefärbtem 5-Minuten Epoxidharz aus. Das überschüssige Epoxid wurde nach der Aushärtung verschliffen, und zum Vorschein kam so ein makelloses Stabdeck. Als letzter Arbeitsschritt des Rohbaus folgte noch die Einfassung des Cockpitausschnitts, und zwar mit Nussbaumholz. Eine sehr zeitaufwendige Arbeit, denn ich musste die Nussbaumholz Leiste möglichst spaltfrei um die Ecken des Cockpits biegen. Aber auch dieser Arbeitsschritt wurde im zweiten Anlauf bewältigt, und dann stand die Kaiser Speedster K-500 fertig beplankt vor mir auf der Werkbank. Ich betrachtete das Boot eine ganze Weile von allen Seiten mit jetzt freigeschliffenem Deck, aber so richtige Begeisterung wollte einfach nicht aufkommen, denn mein Boot sah anders aus als die Vorlage. Das Deck lag eckig und in meinen Augen zu platt auf den Bordwänden auf. Die elegante Linie des originalen Boots war in meinen Augen einfach nicht getroffen. Ich ließ den Bau einige Wochen liegen und überlegte, wie ich weiter verfahren sollte. Im Herbst 2014, kurz nach der Modellbaumesse in Friedrichshafen, bei der ich die Speedster am Stand von Rainer Kuhlmann ausgestellt hatte, reifte der Entschluss in mir, dass ich die K-500 so nicht fertig bauen würde. Ich griff mir das gröbste Schleifpapier das in meiner Miniwerft zu finden war, und bearbeitete das eigentlich wirklich schön verarbeitete Bootsdeck so lange, bis nur noch eine hauchdünne Holzschicht vorhanden war. Im Anschluss klebte ich in mehreren Lagen über den gesamten Decksbereich 25 mm Balsaholz und machte mich dann erneut mit grobem Schmirgelpapier ans Werk, der Speedster eine neue Decksform zu geben. Dabei wurde auch der Übergang zwischen Deck und Bordwand deutlich runder geschliffen. Die ganze Aktion dauerte einen Tag, und am Ende war die Haut auf meinen Fingerkuppen nur noch dünn, die Rumpfform dafür aufgefüttert und elegant geschwungen, so wie ich mir das Boot vorgestellt habe. Nachdem die Unmengen an Schleifstaub abgesaugt waren, begann ich erneut, das Stabdeck auf meiner K-500 zu verlegen. Dieses Mal verwendete ich Teakholz, da mein Bestand an Nussbaum nicht mehr ausreichte. Im Nachhinein bereue ich auch diese Entscheidung nicht. Das Teakholz wirkt trotz der ja matten Oberfläche des Boots sehr farbintensiv und lebendig. Im Anschluss an das Stabdeck folgte erneut die Decksumrandung und dann die Cockpiteinfassung. Ich hatte ja für diese Arbeit schon Erfahrung gesammelt, so dass sie diesmal auch noch präziser gelungen ist.

Abermals erfolgte das Auftragen von Eposeal 300 und dann das Ausfüllen der Zwischenräume des Stabdecks wieder mit schwarz eingefärbtem Epoxid. Als das überschüssige Epoxid abgeschliffen war, stand meine K-500 auf der Werkbank, und jetzt war ich auch mit der Form zufrieden.

 

 

Jetantrieb und Einbau:

 

Wie das Vorbild sollte meine K-500 Speedster natürlich auch mit einem Jetantrieb ausgestattet werden, schließlich war dieses Antriebskonzept ja mit ein Beweggrund für mich, dieses High-End-Runabout als Modell zu bauen. Zwar ist der Jetantrieb anderen gängigen Antriebsvarianten wie getauchter Schraube oder Hydroantrieb in Effizienz und Speed unterlegen, ein großer Vorteil ist aber die extreme Dynamik, Beschleunigung und Wendigkeit von Jetbooten. Zusammengefasst eben der Spaßfaktor. Und auch bei welligen Gewässern spielt der Jetantrieb seinen Vorteil gegenüber einer klassischen Schiffsschraube aus.  Da der Markt für doch recht stattliche Jetantriebe eher überschaubar ist, war die Entscheidung für den MHZ 52 schnell gefällt, und nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten von MHZ hielt ich den Jet dann nach einigen Wochen auch in den Händen. 52 mm Jet-Durchmesser sind ein Wort, und schon beim Betrachten meldeten sich erste Zweifel in mir, ob ich dieses stattliche Teil jemals ordentlich in meinem Rumpf verbaut bekommen sollte. Den durch mehrere Querstreben zusätzlich verengte und ohnehin recht kleinen Zugang zum Technikbereich unter der Sonnenliege des Hecks verfluchte ich beim Einbau des Jets das erste Mal und im Lauf des weiteren Einbaus von Technik sollten noch viele weitere Verwünschungen und aufgeschürfte Handknöchel folgen. Nach und nach vergrößerte ich die Öffnungen im Heckspiegel und Rumpfboden immer ein kleines Stück weiter, entfernte Stücke von Spanten, die im Weg waren, bis nach sehr viel Anpassungsarbeit der MHZ Jet 52 an seinem Platz saß. Mit einigen Klebepunkten fixierte ich den Antrieb, und dann goss ich den Jet nach und nach mit Epoxid und etwas Glasgewebe ein. Das Betreiben des Jet 52 erfordert laut Hersteller eine kräftige Motorleistung, und daher habe ich viel Wert auf Stabilität beim Einbau des Jets und der Motorhalterung gelegt. Abschließend wurde der Jet noch sorgfältig abgeklebt, um ihn vor Schleifstaub und Bauschmutz zu schützen.

 

Oberfläche und Lackierung:

 

Die Anziehungskraft und Auffälligkeit von Booten aus Edelholz steht und fällt mit der Lackierung. Das schönste Runabout wirkt eben nur dann, wenn die Lackierung perfekt ist. Wie die Eigner der „großen“ Vorbilder lege auch ich größten Wert auf eine makellose Oberfläche. Um diese zu erreichen, habe ich die Art und Weise, wie ich meine Boote lackiere, immer weiter optimiert.

Wichtig ist als Basis für jede Lackierung, den Untergrund zu stabilisieren. Bei Holz ist dies besonders wichtig, damit es im Lauf der Jahre nicht zu Spannungsrissen und absinkendem Lack kommt. Durch das Auftragen einiger Schichten Eposeal 300 (wasserklar und auch so dünnflüssig) wird der Holzuntergrund mit dem Epoxid tief durchgetränkt. Dort umschließt Eposeal die Poren und plastiniert das Holz. Zusätzlich werden die einzelnen Spanten und Planken miteinander verklebt. Das Ergebnis ist ein perfekter Untergrund für den nächsten Arbeitsschritt, das Auftragen von dickflüssigem Epoxid zur Schaffung einer glatten Oberfläche. Hierzu verwende ich seit vielen Jahren Acrümid/Acrüpox von Ruegg Chemie aus Hamburg.

Dieser Werkstoff ist ebenfalls wasserklar und gilbt auch nach über 10 Jahren nicht. Auf meine K-500 habe ich mit ausreichenden Trocknungsphasen zwischen jedem Auftragen ungefähr 15 Schichten Epoxid von allen Seiten aufgetragen. Im Anschluss war warten angesagt. Minimum 6 bis 10 Wochen soll das Epoxid komplett durchtrocknen. Nun erfolgte bei meiner Speedster K-500 der erste Nassschliff. Mit Korn 360 habe ich die Epoxidoberfläche mit der Hand glatt geschliffen. Als keine Unebenheiten mehr zu spüren waren, erfolgte noch ein Schliff mit Korn 600, um die Oberfläche für das Auftragen des Klarlacks vorzubereiten. Meine K-500 habe ich mit 2-Komponenten-Klarlack in der Spraydose von Standox Kristall Pro lackiert. In  vielen Arbeitsgängen habe ich den Klarlack Schicht um Schicht aufgesprüht und dazwischen viel Zeit zum Trocknen gelassen. Das ich wichtig, denn Klarlack verläuft sehr leicht und bildet Laufnasen. Den aufgetragenen Klarlack habe ich wieder einige Wochen trocknen lassen, bis dann der Endschliff erfolgte. Hierzu begann ich mit Korn 2.000 und etwas Spüli im Wasser und steigerte nach und nach die Körnung auf 8.000. Diese nun seidenmatte Oberfläche wurde dann mit einer Polierpaste von 3M wieder auf Hochglanz poliert. Als letzten Schritt der Lackierphase habe ich bei meiner K-500 den äußeren Decksbereich, der hochglänzend bleiben sollte, abgeklebt und mit einem feinen Schleiffließ den inneren Decksbereich gleichmäßig mattiert.

 

Cockpitausbau:

 

Die Eleganz der Kaiser K-500 resultiert aus meiner Sicht durch ihre Schlichtheit. Nur wenige Beschlagteile zieren den Bootskörper. Auch der Innenausbau des Originals ist puristisch gehalten. Was jedoch verbaut ist, besticht durch Exklusivität und Perfektion. Die Polsterarbeiten sind aufwendig gesteppt und sorgen für das edle Erscheinungsbild des Vorbilds. Sitze im Miniaturformat zu bauen, ist aufgrund der benötigten Materialien immer eine große Herausforderung.

Daher habe ich mir schon im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie ich die Polsterung meines Modells umsetzen werde. Kunstleder schied aus, weil dieses Material zu dick ist und nicht die benötigte Geschmeidigkeit bot. Ich entschied mich für ein sehr dünnes Ziegenleder, das ich vor der Verarbeitung mit einem Imprägnierspray überzog. Glücklicherweise hat mir meine Mutter bereits im Kindesalter beigebracht, wie eine Nähmaschine bedient wird. Und vor ein paar Jahren hat sie mir dann auch noch eine Maschine geschenkt. Diese kam jetzt zum Einsatz. Als Unterpolsterung habe ich bei der Speedster eine beidseitig beschichtete Schaumstoffschicht mit 5 mm Stärke verwendet. Die Kombination ist optimal, da der Nähfaden das Material schön zusammendrückt und den Polstercharakter unterstreicht. Ich experimentierte mit unterschiedlichen Fadenstärken, bis mir die Optik gefiel. Nur ist Leder mit Schaumstoff zu nähen immer ein Abenteuer. Häufig kommt es vor, dass sich unter dem Schaumstoff ein Fadengewirr bildet, das sich dann zusammenzieht und für Ausschuss sorgt. Auch sieht man es bei Leder, wenn die Nadel mal an einer falschen Stelle das Leder durchdringt. Auch das führt zum Neubeginn des Polsterelements. Von der gesamten Ziegenlederhaut ist für die Speedster kein einziges Lederfitzelchen übrig geblieben, denn ich habe im Schnitt jedes Polsterteil doppelt angefertigen müssen. Auch wenn ich meine Sitze mit einer elektrischen Nähmaschine nähe, sorge ich für den Vorschub fast ausschließlich mit der Hand. Bedeutet, ich drehe das Handrad und nähe so zwar sehr langsam, dafür aber mit viel Gefühl. Am Widerstand erkenne ich sofort, wenn sich der Faden unter dem zu nähenden Polsterstück anfängt zu verheddern und kann dem frühzeitig entgegenwirken. Die Seitenwände des Cockpits verkleidete ich mit schwarzem Leder, und der Cockpitboden besteht aus Jatobaholz. Auch bei diesem Bauelement habe ich die Fugen zwischen den einzelnen Planken mit eingefärbtem 5-Minuten-Epoxid ausgegossen. Der Cockpitboden wurde anschließend geölt und im Boot verschraubt.

Natürlich dürfen auch im Modell Festmacherleinen nicht fehlen, die ich in einer Seilerei in Hamburg erstand. Analog der Sitzbank wurde auch das Armaturenbrett mit unterpolstertem und abgestepptem Leder überzogen. Gashebel und Steuerrad wurden aus Duraluminum-Blech ausgesägt, mit Nussbaumholz belegt und in Form geschliffen.

 

Technik:

 

Laut Webseite der Kaiser Bootsmanufaktur ist das Beste für die K-500 Speedster gerade gut genug. Diese Kernbotschaft passt recht gut zu meinen Modellbooten, denn auch ich lege größten Wert auf Qualität und hochwertige Technikkomponenten.

Der Bau meiner K-500 dauerte fast 15 Monate. Da ist für mich der Einbau eines Chinamotors von Hobbyking & Co. als Antrieb schlicht undenkbar. Deutschland war über viele Jahrzehnte weltweiter Vorreiter und Marktführer im Modellbau.

Leider ist davon aus vielerlei Gründen nicht mehr viel übrig geblieben. Aber es gibt noch einige Qualitätslieferanten und Fachgeschäfte, bei denen ich meine Technikkomponenten beziehe.

 

Konstruktionsbedingt verbirgt sich die gesamte Technik der Speedster K-500 unter der Polsterauflage im Heckbereich. Ein durchgängiger Spant zwischen Cockpitrückwand und Heck übernimmt die Funktion eines Schotts und dichtet den Technikbereich gegen eventuell eindringendes Wasser aus dem offenen Cockpitbereich ab. In beiden abgesteppten Cockpitverkleidungen rechts und links zwischen Armaturenbrett und der Rückenlehne der Sitzbank ist jeweils ein Metallstreifen eingearbeitet. Starke Neodym-Magneten im Rumpf halten sie in Position und fixieren so die Polsterauflage gegen Herausziehen. Zum Öffnen des Technikabteils werden erst die Seitenverkleidungen abgenommen und dann die Polsterauflage Richtung Bug herausgezogen. Abgesehen von einigen Querstreben ist das Abteil für die Inbetriebnahme des Boots gut zugänglich.

Für den Vortrieb der Speedster K-500 sorgt ein Elektromotor der Firma Plettenberg. Der KIMA 50/3 MB ist ein wirkliches Kraftpaket, das in Handarbeit in Baunatal bei Kassel hergestellt wird. Der wassergekühlte Motor hat einen sehr hohen Wirkungsgrad von ungefähr 90 % und liefert mit 12S Lipos ungefähr 7 kW Ausgangsleistung bei ca. 23.000 U/Min. Für mich liefert Plettenberg die Motoren mit einem zusätzlichen Typenschild auf der Unterseite des Motors aus, damit man bei richtiger Montage trotzdem lesen kann, welch edler Motor für den Vortrieb des Modells sorgt. Die Drehzahlsteuerung der Speedster K-500 übernimmt ein Fahrregler von Schulze Elektronik der Future XL 40.161 WK. Trotz der Insolvenz im Jahr 2013 sind Schulze Fahrregler aus meiner Sicht bis heute die Referenzklasse. Kurz vor Einstellung des Geschäftsbetriebs habe ich noch einige Drehzahlregler auf Vorrat gekauft. Als Stromversorgung der K-500 kommen zwei Lipos mit je 5S und 5800 mA/H in Reihe geschaltet zum Einsatz.

 

RC & Telemetrie:

 

Nachdem das Thema Telemetrie im RC Modellbau immer mehr Einzug hält, sollte mich meine K-500 natürlich auch über die wichtigsten Parameter informieren. Ich machte mich während der letzten Bauphase also daran, den Markt nach einer geeigneten Fernsteuerung samt Empfänger zu durchforsten. Nach intensiver Recherche fiel meine Wahl dann auf den neuen Sender LYNX 4S von Hitec mit dem Empfänger Proton 4. Diese Kombination ist aus meiner Sicht ideal, denn Hitec hat seit vielen Jahren Erfahrung im Bereich Telemetrie, und die Beherrschung der Technik ist denkbar einfach. Zusätzlich sind Sender und Empfänger von guter Haptik und erfüllen meinen Qualitätsanspruch. Der Empfänger Proton 4 hat ein eingebautes GPS-Modul für die Speedmessung des Modells und einige direkte Anschlüsse für Telemetriesensoren. Um den teuren Motor vor Schäden zu schützen, ist bei meiner K-500 der Motor noch mit einem Temperatursensor und einem magnetischen Drehzahlmesser ausgestattet. Die Spannung des Empfängerakkus wird in Volt im Senderdisplay gemeinsam mit allen anderen Telemetriedaten übersichtlich angezeigt. Die Einstellung des Senders auf das Modell ist denkbar einfach und funktioniert bisher anstandslos.

Für die Vektorsteuerung der Jetdüse verbaute ich zwei wasserdichte Hitec Servos HS5646WP. Ein Servo übernimmt die Steuerung der Speedster K-500. Das zweite Servo steuert die Jetdüse in vertikaler Richtung. Damit lässt sich das Boot während der Fahrt trimmen.

 

Beschläge:

 

Den Rumpf des Retro Klassikers Kaiser K-500 zieren nur wenige Beschläge. Lediglich eine zierliche Chromumrandung umfasst das Boot und dient als Scheuerleiste. Des Weiteren finden sich noch vier versenkbare Klampen, eine Schleppöse am Heck sowie ein Tankverschluss auf dem Deck. Die decksüberspannende Windschutzscheibe wird von einer zierlichen Mittelstütze aus Chrom getragen. Im Modell ist die Stütze trotz des filigranen Anscheins recht stabil ausgeführt. Die schwarze Gummilippe verdeckt zusätzlich die Verschraubung der Windschutzscheibe mit dem Rumpf. Von mir wurden alle Beschlagteile des Boots aus Messingblech angefertigt, poliert und anschließend verchromt. Für die Verschraubung der Beschläge verwendete ich 1,4 mm Kreuzschlitzschrauben.

Die beim Vorbild sehr effektvolle Beleuchtung des Wasserstrahls am Heck durfte bei meinem Nachbau natürlich auch nicht fehlen. Zwei ultrahelle in Chrom eingefasste LEDs übernehmen die Illumination des Hecks. Am Bug ist die Beleuchtung hinter zwei ovalen Rauchglasscheiben in der Bordwand verborgen. Neben den Positionslichtern sind dort ebenfalls zwei ultrahelle LEDs platziert. Geschaltet wird die Beleuchtung im Modell über zwei kleine Kippschalter am Armaturenbrett. 

 

Stapellauf:

 

Da ich nicht täglich die Zeit finde, meinem Hobby nachzugehen, zog sich die Bauzeit über 15 Monate hin. Im Juni 2015 waren dann die letzten Arbeiten an meiner Kaiser K-500 Speedster abgeschlossen. Den Funktionstest aller Technikkomponenten absolvierte meine K-500 mit Bravour und so stand einer ersten Testfahrt auf dem Bodensee nichts im Weg. Mit 12 S Lipos setzte ich meine K-500 ins Wasser. Ein erster sehr vorsichtiger Zug am Gashebel, der Motor lief sanft an, und die Kaiser setzte sich gemächlich in Bewegung. Etwas mehr Gas und der gewaltige Wasserstrahl des Jetantriebs katapultierte meine K-500 quasi aus dem Stand aus dem Wasser in die Gleitfahrt. Das im Boot verbaute GPS-Modul zeigte für diesen erste Runde als Topspeed 39 km/h an. Nicht schlecht dachte ich so bei mir und war vom ersten Fahreindruck begeistert. Nach und nach machte ich mich mit dem Modell vertraut, drehte Runde um Runde, machte Fotos und experimentierte auch mit der vertikalen Vektorsteuerung der Jetdüse, um das Boot optimal zu trimmen. Recht ungewohnt ist die Steuerung eines Jetboots am Anfang aber schon. Steuern lässt sich das Boot nur während des Gasgebens. Ich versuchte, in jeder Runde immer etwas mehr Gas zu geben, aber die Leistungsgrenze des Motors erreichte ich bei Weitem nicht. Kurzzeitig gab ich mit meiner K-500 ungefähr Halbgas und das war schon grenzwertig denn ich hatte nicht mehr das Gefühl, die Kontrolle über mein Modell zu besitzen. Der Motor entwickelt mit 12 S einfach zu viel Leistung für die K-500. Nach ungefähr 15 Minuten beendete ich den Stapellauf. Die Motortemperatur lag bei 48 Grad was deutlich zeigt, dass der Plettenberg KIMA wohl nicht sehr angestrengt gewesen ist. Als erreichte Höchstgeschwindigkeit zeigte das Display meiner Fernsteuerung 63 km/h an. Der Blick ins Technikabteil unter der Sonnenliege bestätigte die Telemetriedaten. Motor und Regler waren etwas mehr als handwarm, und auch sonst machte die Technik eine wenig angestrengten Eindruck. Lediglich etwas Wasser fand sich im Boot. Als Ursache machte ich bei weiteren Testfahrten den Jetantrieb aus. Durch das Einfüllen von Wasserpumpenfett konnte die Dichtigkeit schließlich hergestellt werden. Etwas enttäuscht bin ich allerdings von der Wendigkeit des Modells. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Enge Kurven sind nur bei sehr langsamer Geschwindigkeit zu fahren. Die für ein Jetboot typische wieselflinke Fahreigenschaft, die auch die Kaiserboote Werft für ihre K-500 hervorhebt, ist mit meinem Modell der K-500 nicht zu machen.

Hier werde ich wohl noch etwas experimentieren müssen.

 

Technische Daten:

 

Maßstab: 1:4

Länge: 126 cm

Breite: 49 cm

Material: Mahagoni mit Teak

Jetantrieb: MHZ Jet 52

Motor: Plettenberg KIMA 50/3 BM

Regler: Schulze Future XL 40.161 WK

Strom: 10 bis 12 S LIPOs

Drehzahl: ca. 20.000 U/Min.

Speed max: 62 km/h GPS gemessen

Gewicht: 11 kg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

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